Überwachungs-Apps

Warum ist das überhaupt ein Thema – kann man sich fragen. Es dient doch allen Menschen zum Wohl und es soll ja freiwillig sein. Argumente wie

  • kann Infektionsketten gut orten und betroffene Personen warnen
  • wirkt zum heutigen Contact Tracing unterstützend
  • muss einzig als Warnapp angesehen werden
  • sammelt keine Daten
  • und soll ergänzend eingesetzt werden

überzeugen doch. Es leuchtet ein, dass diese Argumentation unweigerlich zum vorbehaltlosen bejahen vieler Bürger für den Einsatz dieser Überwachungs-Apps führt. Die Vorteile überwiegen gegenüber allfälligen, eigentlich nicht so genau zu definierenden Bedenken. Unterschwellig hat man höchstens ein mulmiges Gefühl. Genau dieses Gefühl lässt erahnen, dass es nicht ganz so einfach ist.

Kritiker führen die Überwachung als solches und den Datenschutz ins Feld. Herr Salathé (das Pendant zu Herrn Drosten in Deutschland) betont beschwörend, dass die App so entwickelt wird, dass keine Daten auf zentralen Servern gespeichert werden und die Daten nur lokal auf dem Handy sind. Diese Argumentation tönt sehr gut, ist aber nicht wirklich wasserdicht. Google und Apple stellen grosszügigerweise mit ihren Systemen Schnittstellen zur Verfügung. Salathé betont, dass diese nur gebraucht werden, um die Akkus besser zu steuern und weitere technische Details zu programmieren. Wie bitte? Aus meiner Optik ist das ziemlich blauäugig.

Grundsätzlich haben wir seit Jahren ein Problem aufgebaut, von dem wir nicht einmal im Ansatz emotionsfrei sprechen können, nämlich die grundsätzliche Frage, ob wir Microsoft, Google, Amazon, Facebook, Apple etc. wirklich vertrauen sollen und können. Leider sind wir schon längst in sämtlichen Belangen von diesen Konzernen in totaler Abhängigkeit. Politik, Wirtschaft, Gesetzgeber haben in den vergangenen Jahren kläglich versagt, entsprechende Verordnungen, Gesetze etc. zu erlassen und auch durchzusetzen. Wir dulden schon seit vielen Jahren freiwillig, dass wir ausgehorcht werden. Viele Betriebe speichern ihre Daten auf Clouds von denen klar ist, dass sie auf amerikanischen Servern und damit direkt bei NSA gespeichert werden. Für öffentlich rechtliche Anstalten, die durch Zwangsbeiträge im wesentlichen finanziert sind (Medienhäuser, Kommunikation, Verkehr, Energie, Bildung usw.), ist es unterdessen eine Selbstverständlichkeit, dass sie Dienste wie Facebook in ihr Angebot einbeziehen. [Ausschnitte Beitrag Sara Wagenknecht] Aber für Menschen wie ich, die konsequent auf Facebook etc. verzichten, ist damit die Teilnahme an Diskussionen, Foren etc. einfach verweigert. Da fühle ich mich als Konsessionszahler ziemlich allein gelassen!

Zurück zur Blauäugigkeit: Herr Salathé glaubt also ernsthaft, dass Google, Apple und Amazon in keiner Weise von der Überwachungs-App und den grosszügig zur Verfügung gestellten Schnittstellen profitieren (Amazon deshalb, weil diese Datenspeicherdienste der wechselnden IDs zur Rückverfolgung der Inhaber der Handys als Dienst zur Verfügung stellt – Amazon hat in einer Ausschreibung gewonnen und hat den Zuspruch für diese tolle Aufgabe erhalten). Was die Betriebssysteme im Untergrund genau machen und welche Daten inwieweit abgesogen werden, weiss Herr Salathé so wenig wie ich. Dass aber Daten abgesogen, mit Big-Data-Methoden weiterverarbeitet werden, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Da müssen wir uns nichts vormachen. Die Geschichte hat es uns bereits an vielen Beispielen gezeigt.

Für die grossen Players stellen Ihre Daten in jeglicher Form den schier unbezahlbaren, wertvollen Rohstoff dar. Dieser Rohstoff – Ihre persönlichen Daten – wird gnadenlos ausgenutzt und mit der Datenverwertung verdienen diese Konzerne astronomische Summen. Eine interessante Doku wurde schon im Jahr 2015 vom BR-Rundfunk mit dem Titel «Warum die Total-Überwachung uns alle betrifft» ausgestrahlt. Diese Dokumentation zeigt die Tragweite! Nun sind wir bereits 5 Jahre weiter und die Entwicklungen und Verwertung ihrer Daten sind sicher nicht stehen geblieben, sondern sie wurden massiv weiter entwickelt!

Die geforderte Überwachungs-App stellt also in gewisser Weise nur einen kleinen, weiteren Baustein in der Datensammlung der Datenkraken dar. Aber halt, darum geht es ja gar nicht!?! Die Daten sind natürlich sicher und werden gar nirgends, ausser auf Ihrem Handy, gespeichert! Im Ernst, wenn also diese Überwachungs-App kommen soll, dann müsste eben der Staat ohne Zuhilfenahme von Amazon etc. eine Lösung erarbeiten. Oder aber der Staat benutzt diese Gelegenheit, um spätestens jetzt die Datenzugriffsmöglichkeit der Anbieter streng einzuschränken und reglementarisch, gesetzlich zu regeln. Der Bundesrat und das Parlament müssten sich mit aller Kraft für die Abhörsicherheit einsetzen. Dies wäre sicher auch im Interesse vieler anderer Länder. Aber leider passiert das nicht! Und genau deshalb empfinde ich die flächendeckende Einführung der App als sehr problematisch. Auch wenn sie gemäss heutiger Definition nur freiwillig verwendet werden soll. Wer sagt mir, wie lange das so ist? Bis zur zweiten Welle? Glauben wir dem WHO-Hauptsponsor Bill Gates, so kommt die zweite Pandemie bestimmt. Und dann muss ich annehmen, dass Tür und Tor für eine pflichtmässige Einführung offen sein wird.

Ich werde oft von Menschen gefragt, wie vorsichtig man zum Thema «ausgehorcht werden» sein sollte. Bevor ich überhaupt eine Antwort geben kann, wird fast immer die lapidare Äusserung gemacht „ich habe ja nichts zu verbergen – mit meinen Daten können die ja nichts anfangen – mir ist das egal“.

Die einzige Begründung für diese Aussagen ist darin zu sehen, dass die Annehmlichkeiten durch die Benutzung der verschiedenen Dienste enorm hoch sind:

  • man ist immer erreichbar
  • man braucht sich um Navigation keine Gedanken zu machen
  • googeln via Handy immer möglich
  • Chatdienste ohne Ende
  • Bezahlung via Handy
  • usw……..

Diese Einstellung ist aus meiner Optik höchst bedenklich. Wir sollten deshalb die Verwendung kritisch betrachten.

Diese Haltung «ich habe nichts zu verbergen» ist die einfachste Antwort und verhindert seit Jahren systematisch ein zu Ende Denken der Problematik. Solchen Äusserungen setze ich dann aus meiner Sicht als Datenbankexperte folgendes, stark vereinfachtes Beispiel entgegen;

Stellen Sie sich vor, sie benutzen Konsumdatenspeicherkarten. Sie können davon ausgehen, dass im Hintergrund diese Daten mit weiteren Daten aus Kreditkartenkäufen, Ortungs- und Bewegungsdaten Ihres Handys, ja sogar mit Ihren Gewohnheiten aus Ihren Suchanfragen via Handy oder Computer usw. verknüpft werden.

Zu einem Zeitpunkt X möchten Sie beispielsweise eine Kapital-Risiko-Versicherung abschliessen. Ihr Antrag wird dann ohne spezielle Begründung abgelehnt. Kommt alles vor. Sie fallen aus allen Wolken und können sich dies gar nicht erklären, warum Sie abgelehnt wurden. Es lässt sich aber leicht beantworten. Durch Ihr Profil ist ersichtlich, dass Sie keinen Sport treiben, extrem viel ungesunde Lebensmittel konsumieren und überhaupt ein ungesundes Leben führen. Jetzt ist klar, dass bei einer solchen Person das Risiko für diese Versicherung einfach zu hoch ist und darum wurde Ihr Antrag abgelehnt. Würden Sie x-mal erkennbar Sport treiben (z.B. mit tollen Fitbit-, Applewatch-, Garmin-Uhren etc.) und sich gesund ernähren usw., wäre Ihr Antrag sicher angenommen worden.

Da stellen sich die berechtigten Fragen, die sich jeder selber beantworten soll

  • ist das richtig?
  • ist dieser Eingriff in die Privatsphäre wirklich OK?

Der konsequente Verzicht vieler Dienste ist die unweigerliche Folgerung, will man sich all diesen Einflüssen entziehen! Oder gibt es nicht doch andere Möglichkeiten, sich super informiert, vernetzt und einfach mit den elektronischen Angeboten zu organisieren?

Gerne erläutere ich zu einem späteren Zeitpunkt, wie Sie sich persönlich der permanenten Verfolgung und Überwachung entziehen können.

Kommen wir zum eigentlichen, wichtigen Fragenkomplex. Ist die Einführung einer Überwachungs-App in einer Pandemie legitim? Eventuell ja, hätten wir tatsächlich pandemische Zustände mit einem wirklich hohen Bedrohungspotential gehabt. Wie bereits in den vorherigen Berichten ausführlich dargestellt, fehlen sie aber. Schauen sie nach, hören sie die vielen Fachpersonen aus den verschiedensten Berufsrichtungen. Die Sachlage ist klar. Deshalb kann ich nur festhalten, dass eine Überwachungs-App nicht verhältnismässig ist. Müssen wir uns vom Staat, resp. von grossen Geldgebern und Firmen überwachen lassen, nur damit wir allenfalls vor etwas geschützt sind, das es gar nicht in diesem Umfang gibt – oder noch nicht gibt?

Mir kommt es so vor, als hätten wir bereits nach diesem Vierteljahr Corona schon vergessen, warum wir überhaupt in der heutigen Situation stecken. Mit unserem heutigen Verhalten tragen wir der ursprünglich gedachten Gefahr in keiner Weise mehr Rechnung. Längst ist die Verhältnismässigkeit all der getroffenen Massnahmen ad absurdum geführt worden.

Die wenigen Berater, die den Bundesrat und die Behörden beraten, werden wirklich nicht mehr hinterfragt und nicht mit den vielen Experten, die zu anderen Resultaten kommen oder anderer Meinung sind, verglichen. Es ist bereits manifestiert und in allen Köpfen der Gutmenschen abgespeichert, dass man für lange Zeit Abstand halten muss und es gilt Masken zu tragen, was unser tägliches Leben massgeblich beeinflusst und bestimmt. Muss das wirklich sein?

Meine Antwort ist ein ganz klares Nein – das muss nicht sein! Wie bereits im ersten und zweiten Beitrag erwähnt, werden wir tagtäglich mit Angst machenden Nachrichten überschwemmt. Das Abstand halten und das Maskentragen ist symbolisch ein sehr starker Akt. Dazu kommt nun auch noch die Überwachungs-App. Es demonstriert gleich ganz offen den Kurs den man fahren muss. Die Massnahmen zeigen die Erwartung, wie man sich als Gutmensch in einer Gesellschaft zu verhalten hat.

Die Spaltung unserer Gesellschaft ist in vollem Gang. Eigenverantwortung kann nicht mehr gelebt werden. Es wird ein sozialer Druck aufgebaut. Als fragender oder kritischer Mensch gerät man unweigerlich ins gesellschaftliche Zwielicht.

DenkDichFrei.ch hat den Zweck, dass Sie über diese Dinge nachdenken und sich eine eigene Meinung bilden. Sehen Sie sich bitte, wenn Sie mögen, die verlinkten Beiträge an. In diesem Sinn wünsche ich Ihnen weiterhin freies Nachdenken.

Übrigens: Während den letzten 12 Minuten die Sie damit verbracht haben, diesen Artikel zu lesen/hören, sind ca. 200 Menschen an Hunger gestorben. In der Schweiz sind gemäss offizieller Statistik bis zum 31. Mai 2020 1920 Menschen am COVID-19 gestorben. Dabei wurde nicht unterschieden ob «mit» oder «an» COVID-19! Täglich sterben ca. 24000 Menschen an Hunger!